Review
Twierdza Magazin
Es gibt heut zu Tage in der Musik immer weniger Dinge, die zu überraschen vermögen, allem voran aber im Bereich des Pagan- und Blackmetals. So war ich denn auch dementsprechend überrascht, mit TURULVÉRs selbstbetitelter Mini-CD eine in ungarischer Sprache singende Pagan-/Blackmetalband vorzufinden, die, was noch zusätzlich hinzukommt, darüber hinaus auch noch wirklich erstklassig ist.
Was bei „Turulvér“ zunächst einmal etwas ungewöhnlich ins Auge (oder soll ich sagen „ins Ohr“...?) fällt, ist der (ob nun gewollte oder ungewollte) Widerspruch zwischen der Musik selbst und dem Gedankengut bzw. Texten der Band. Da haben wir zum Einen sehr nordisch und eher typisch germanisch oder skandinavisch klingenden Pagan-/Blackmetal auf der einen Seite, aber (überwiegend) ungarische Texte, einen ungarischen Bandnamen und ungarische Mythologie auf der anderen Seite. So ganz warm werde ich mit dieser Kombination zwar nicht, allerdings fällt sie auf Grund der wirklich guten musikalischen Leistung für mich persönlich auch nicht allzu negativ ins Gewicht, und wie man nun dazu stehen mag, sei jedem selbst überlassen.
Eingeleitet wird das magyarische Opus von einem ansprechenden und stimmungsvollen, Synthie-basierten Ambient-Intro, bei welchem man unter anderem Pferde galoppieren hört und sich in Gedanken vor langer Zeit über die Steppe dahinreitende ungarische Krieger ausmalen kann. Als erstes Stück folgt dann „Ima“, zu Deutsch „Gebet“, welches schon mal einen guten Eindruck hinterlässt und ordentlich Druck macht. Das zweite Stück, „Pro Patria“, ist dann der erste Höhepunkt der Scheibe und besticht durch nordische Atmosphäre und brutale Raserei, die jedoch in ein intelligentes Arrangement eingebettet ist. „A Hos Éneke“ („Des Helden Lied“) ist dann für mich die ultimative Krönung dieses Oevres: Der Gitarrist, zwar gut, aber sonst eher im Hintergrund, d.h. unauffällig agierend, bekommt hier insbesondere beim schönen und stimmungsvollen Anfang die Möglichkeit sich etwas mehr ins Spiel zu bringen, der Sänger läuft zur Höchstform auf, das Schlagzeug wird brutalst penetriert, der wahnsinnige Basser gibt mit seinem (jedenfalls für Blackmetalverhältnisse) technisch-intelligent-“vertrackten“ und höllischen Spiel dem Ganzen den Rest und die ohnehin gute, hymnische Komposition tut ihr Übriges. Dannach folgt dann das ebenfalls nicht schlechte Stück „Meótisz“, und mit „907“ findet die Scheibe dann schließlich ihren atmosphärischen Ausklang.
TURULVÉR haben mich wirklich überzeugt, und vor allem die hymnischen Elemente, das rasante Schlagzeugspiel sowie das sehr talentierte Bassspiel haben mich auf ihre Seite ziehen können und lassen mich in Spannung des ersten kompletten Albums harren. Nicht ganz so gut, um auch mal auf die kleinen Schattenseiten zu sprechen zu kommen, gefällt mir der Gesang, der – nicht wirklich schlecht! - eher im Durchschnittsbereich liegt, sowie das technisch makellose, aber zu sehr zurückhaltende Gitarrenspiel. Hier könnte man auf alle Fälle etwas mehr machen. Natürlich wäre auch, gerade weil man ja seiner eigenen Kultur, Sprache und Mythologie huldigt, vielleicht etwas mehr „typisch Ungarisches“, oder zumindest weniger Orientierung an den offensichlichen nordischen Vorbildern wünschenswert. Aber trotzdem – alles zusammengenommen sind TURULVÉR wirklich herausragende Musiker, haben ein mehr als gutes Händchen für Arrangements und Technik und können auch ruhig zu den besten ungarischen Pagan- und Blackmetalbands gezählt werden!
8/10
Review by: WO£OS
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